Forschungszulage nach Branche: Was die BSFZ in Ihrem Feld tatsächlich prüft
Die Forschungszulage ist branchenoffen, die Prüfpraxis ist es nicht. Wo die Grenze zwischen förderfähiger Entwicklung und nicht förderfähiger Routine verläuft, entscheidet sich in jeder Branche an anderen Stellen. Hier sind die Felder, in denen wir am häufigsten beraten, mit den Fragen, an denen Anträge dort scheitern.
Dieselben Regeln, andere Streitpunkte
Das Forschungszulagengesetz kennt keine Branchen. Für die Bescheinigungsstelle Forschungszulage zählen vier Kriterien: Neuartigkeit, schöpferischer Charakter, Ungewissheit über Ergebnis und Aufwand sowie systematisches Vorgehen. Diese Kriterien gelten für alle gleich. Die Fragen, an denen ein Antrag scheitert, tun das nicht.
In der Softwareentwicklung geht es um die Abgrenzung zur Routineentwicklung. Im Maschinenbau um die Phasengrenze zur Vorserie. In der Medizintechnik um klinische Studienphasen und regulatorische Tätigkeiten. Wer die branchentypische Fallhöhe kennt, formuliert den Antrag anders und bekommt eine andere Antwort.
Forschungszulage nach Branche: sechs Felder im Detail
Über 5.200 IT-Anträge lagen der BSFZ bis März 2026 vor. Softwareentwicklung ist damit das meistbeantragte und zugleich das meistabgelehnte FuE-Feld. Alles entscheidet sich an der Abgrenzung zur Routineentwicklung.
Über 3.160 Anträge aus dem Maschinenbau, Tendenz steigend. Die Besonderheit sind die komplexen Phasengrenzen: Wo endet die förderfähige Entwicklung, wo beginnt die nicht förderfähige Vorserie?
Bei Medizinprodukten der Klassen I bis IIb ist die klinische Bewertung von der Bescheinigung ausgenommen, bei In-vitro-Diagnostika die Leistungsbewertung. Davor liegt der förderfähige Teil, und er ist groß.
Der Leitfaden zieht genau eine harte Linie, und sie liegt bei Phase IIIb. Was davor liegt, entscheidet sich nicht an der Phase, sondern an der Beschreibung.
Hier gibt es keine branchenspezifische Abgrenzung. Was zählt, ist die Grenze zwischen Verfahrensentwicklung und Produktion, und wie Zukäufe behandelt werden.
Wer KI-Entwicklung als Routineprozess beschreibt, geht leer aus. Die BSFZ prüft dieselben vier Kriterien wie überall. Nur fällt es bei KI-Projekten besonders schwer, die technische Ungewissheit zu belegen.
Startup oder Konzern, andere Hebel
Startups und KMU stellen über 80 % der Forschungszulage-Anträge. 2026 gelten 35 % Fördersatz, 12 Mio. € Bemessungsgrundlage und 100 € Stundenpauschale für Gründer. Für junge Unternehmen ohne Steuerlast wird ausgezahlt statt verrechnet.
Nur 14 % der Anträge kommen von Großunternehmen. Bei ihnen liegt oft das größte ungenutzte Potenzial. Die Herausforderung ist weniger die Antragstellung als die vollständige Erfassung aller FuE-Aktivitäten über Standorte und Gesellschaften hinweg.
Ihre Branche ist nicht dabei?
Das heißt nicht, dass Sie leer ausgehen. Die Forschungszulage ist ausdrücklich branchenoffen. Wir haben hier nur die Felder aufbereitet, aus denen die meisten Anfragen kommen. Bauwesen, Chemie, Logistik, Agrartechnik, Elektronik: Die Prüfkriterien sind dieselben, nur die typischen Fallstricke sehen anders aus.
Wie die Forschungszulage nach Branche ausgelegt wird, steht in keinem Gesetzestext. Es steht in den Hilfen der Bescheinigungsstelle und in den Begründungen der Bescheide, und beides entwickelt sich weiter. Aus diesen Begründungen lässt sich ablesen, welche Formulierungen die Prüfer tragen und welche sie zurückweisen. Bei einem Vorhaben aus einem Feld, das hier nicht aufgeführt ist, hilft der Vergleich mit der nächstliegenden Branche fast immer weiter. Ein Anlagenbauer argumentiert nah am Maschinenbau, ein Diagnostikhersteller nah an der Medizintechnik. Die Prüfkriterien und die Hilfen zur Antragstellung veröffentlicht die Bescheinigungsstelle Forschungszulage.
Der allgemeine Einstieg steht auf der Seite Forschungszulage beantragen. Wenn Sie wissen wollen, ob neben der Forschungszulage noch ein Zuschussprogramm in Frage kommt, hilft der Vergleich der Bundesprogramme weiter.
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