Bundesprogramme im Vergleich

Forschungszulage, ZIM oder KMU-innovativ — welches Programm passt?

Welches der drei Programme passt, hängt vor allem davon ab, welche Art von Forschung Sie betreiben und ob ein Hochschulpartner im Spiel ist. Auch die Planungssicherheit spielt eine Rolle: Die Forschungszulage haben Sie sicher, bei ZIM und KMU-innovativ entscheidet ein Antragsverfahren. Wir schauen uns Ihr Vorhaben an und sagen Ihnen, was sich rechnet.

Drei Programme, drei Profile

In welcher Konstellation passt welches Programm?

Alle drei Programme fördern FuE in kleinen und mittleren Unternehmen. Sie unterscheiden sich aber deutlich darin, was gefördert wird, wie das Verfahren abläuft und welche Partner Sie brauchen.

ZIM
Experimentelle Entwicklung

Für marktnahe Entwicklungsprojekte, am besten in Kooperation mit einer Forschungseinrichtung. Die stellt einen eigenen Antrag und wird in der Regel zu 100 % gefördert.

  • Zuschuss 25–60 % (je nach Größe/Projektform)
  • Personalkosten + übrige Kosten (bis 100 % der Personalkosten)
  • Forschungspartner bis 100 % gefördert
  • Themenoffen, marktnahe Entwicklung
  • Bewilligungsverfahren auf Antrag (kein Rechtsanspruch)
  • KMU, Unternehmen bis 500 MA, in Kooperation bis 1.000 MA
KMU-innovativ
Industrielle Forschung

Für grundlagennahe, industrielle Forschung in einem der BMFTR-Technologiefelder. Ein wissenschaftlicher Partner stellt dabei seinen eigenen Antrag und wird bis zu 100 % gefördert.

  • Zuschuss bis 50 % + KMU-Bonus möglich
  • Fokus auf industrielle Forschung
  • Forschungspartner bis 100 % gefördert
  • Verbund: Unternehmensanteil > 60 % der Gesamtzuwendung
  • Förderdauer i.d.R. 2 Jahre
  • KMU und Mittelstand bis 1.000 MA / 100 Mio. € Umsatz

Worauf es bei der Programmwahl ankommt

Das ZIM ist auf experimentelle Entwicklung ausgelegt, also auf marktnahe Projekte, in denen ein Produkt oder Verfahren konkret weiterentwickelt wird. Denken Sie an Prototypen, Pilotanlagen oder anwendungsnahe Tests.

KMU-innovativ zielt dagegen auf industrielle Forschung, also auf grundlagennahe Arbeiten, die erst die Wissensbasis für spätere Anwendungen legen. Machbarkeitsstudien gehören hierher, ebenso die Entwicklung neuer Materialien.

Die Forschungszulage macht diese Unterscheidung gar nicht. Sie fördert beides, solange Ihr Vorhaben die FuE-Kriterien erfüllt (Neuheit, technische Unsicherheit, systematisches Vorgehen und einige weitere). Gerechnet wird so: Alle förderfähigen Kosten ergeben eine Zwischensumme, dazu zählen Personalkosten, Auftragsforschung zu 70 % und Abschreibungen. Auf diese Summe kommen noch 20 % Gemeinkostenpauschale.

Direkter Vergleich

Forschungszulage vs. ZIM vs. KMU-innovativ

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick, als Orientierung für Ihre Programmwahl:

KriteriumForschungszulageZIMKMU-innovativ
FörderartSteuergutschrift (steuerfrei)Direktzuschuss (steuerpflichtig)Direktzuschuss (steuerpflichtig)
FördergegenstandAlle FuE-AktivitätenExperimentelle EntwicklungIndustrielle Forschung
Förderquote35 % netto (KMU, steuerfrei)25–60 % brutto (je nach Größe/Projektform)bis 50 % brutto + KMU-Bonus
Max. Förderhöhebis 4,2 Mio. € p.a.Max. Zuwendung 140.000–336.000 € (förderfähige Kosten × Fördersatz)projektabhängig, Förderdauer i.d.R. 2 Jahre
Förderfähige KostenPersonalkosten, Auftragsforschung (70 %), AfA — jeweils + 20 % Gemeinkostenpauschale auf alle förderfähigen KostenPersonalkosten + übrige Kosten (bis 100 % der Personalkosten) + Aufträge an Dritte (max. 35 % der Personalkosten)Personal, Sach-, Reise-, Auftragskosten
HochschulpartnerNicht erforderlich (Aufträge zu 70 % anrechenbar)Empfohlen — eigener Antrag, bis 100 % gefördertEmpfohlen — eigener Antrag, bis 100 % gefördert
ThemengebundenheitKomplett offenThemenoffenBMFTR-Technologiefelder
VerfahrenRechtsanspruchBewilligungsverfahren auf Antrag (kein Rechtsanspruch)Zweistufig (Skizze → Vollantrag), Stichtage
Verfahrensdauer3–6 Monate4–6 Monate6–12 Monate (zweistufig)
Rückwirkend möglich?Ja, bis 4 JahreNeinNein
UnternehmensgrößeAlle (25 % für Großunternehmen)KMU + bis 500 MA · in Kooperation bis 1.000 MAKMU + Mittelstand bis 1.000 MA / 100 Mio. € Umsatz
Entscheidungshilfe

Sechs typische Konstellationen — und welches Programm passt

01
Sie entwickeln marktnahe Produkte mit einem Hochschulpartner
Klassischer Fall für ZIM: experimentelle Entwicklung, Kooperationsprojekt. Die Forschungseinrichtung stellt einen eigenen Antrag und wird in der Regel zu 100 % gefördert. Die Kosten der Einrichtung trägt also nicht Ihr Unternehmen.
→ ZIM Kooperation
02
Sie betreiben grundlagennahe Forschung in einem BMFTR-Feld
Wenn Ihr Vorhaben industrielle Forschung ist und in ein BMFTR-Technologiefeld passt (z. B. KI, Biotech, Materialforschung, Klimaschutz): KMU-innovativ. Forschungspartner wird ebenfalls bis 100 % gefördert.
→ KMU-innovativ
03
Sie forschen eigenständig ohne Hochschulpartner
Kein Kooperationspartner geplant oder möglich? Die Forschungszulage braucht keinen Partner, kein Antragsverfahren und ist rückwirkend nutzbar. Steuerfreie 35 % auf Ihre FuE-Personalkosten.
→ Forschungszulage
04
Sie wollen maximale Planungssicherheit
Bei ZIM und KMU-innovativ gibt es keinen Rechtsanspruch, eine Ablehnung ist also möglich. Die Forschungszulage ist ein Rechtsanspruch: Wer die FuE-Kriterien erfüllt, bekommt die Zulage. Keine Jury, keine Bewertungsrunden.
→ Forschungszulage
05
Sie haben bereits FuE betrieben aber nie Förderung beantragt
ZIM und KMU-innovativ fördern nur zukünftige Projekte. Die Forschungszulage greift rückwirkend bis zu 4 Jahre. Personalkosten aus vergangenen FuE-Aktivitäten können Sie also noch geltend machen.
→ Forschungszulage
06
Ihr Projekt hat hohe Sach- und Materialkosten
Die Forschungszulage fördert primär Personalkosten (plus Abschreibungen und Aufträge). ZIM fördert neben Personalkosten auch übrige projektbezogene Kosten bis zu 100 % der Personalkosten. Bei materialintensiver Forschung macht das einen erheblichen Unterschied.
→ ZIM → KMU-innovativ
Häufig gefragt

Kann man die Programme kombinieren?

Grundsätzlich ja. In der Praxis ist es aber selten sinnvoll. Meist versucht man, alle förderfähigen Kosten in einem Programm unterzubringen, denn die saubere Abgrenzung kostet Aufwand und erhöht das Risiko bei einer Prüfung.

Es gibt Ausnahmen. Etwa wenn die Forschungszulage Ihre laufenden Personalkosten abdeckt und ein ZIM- oder KMU-innovativ-Projekt sauber davon abgegrenzt nebenher läuft. Ob sich das bei Ihnen lohnt, schauen wir uns gemeinsam an.

Häufige Fragen

Was Geschäftsführer uns oft fragen

Was genau ist der Unterschied zwischen experimenteller Entwicklung und industrieller Forschung?

Experimentelle Entwicklung (ZIM) baut auf bestehendem Wissen auf, um daraus marktnahe Produkte und Verfahren zu entwickeln. Typische Ergebnisse sind Prototypen, Pilotanlagen oder anwendungsnahe Tests. Industrielle Forschung (KMU-innovativ) schafft neues Wissen als Grundlage für künftige Anwendungen — Machbarkeitsstudien, neue Materialien, grundlegende Verfahrensentwicklung. Die Grenze ist fließend, die Einordnung entscheidet aber über das passende Programm.

Warum empfehlen Sie bei ZIM und KMU-innovativ einen Hochschulpartner?

Weil die Forschungseinrichtung einen eigenen Förderantrag stellt und in der Regel zu 100 % gefördert wird. Ihr Unternehmen trägt die Hochschulkosten also nicht selbst. Das ist ein spürbarer Vorteil gegenüber der Forschungszulage, bei der Hochschulaufträge nur zu 70 % in die Bemessungsgrundlage einfließen und Sie die Kosten komplett selbst stemmen.

Was sind die “übrigen Kosten” bei ZIM und wie werden sie berechnet?

Neben den Personalkosten dürfen Sie beim ZIM übrige projektbezogene Kosten als Zuschlag ansetzen, bei Unternehmen bis zu 100 % der Personalkosten. Gemeint sind Materialien, Geräte, Reisen und ähnliche projektbezogene Ausgaben. Seit Juli 2024 können Antragsteller wahlweise die Kosten detailliert auflisten (Anlage 6.4a) oder eine Erklärung abgeben, dass der angegebene Wert AGVO-konform ermittelt wurde. Zusätzlich können Aufträge an Dritte bis max. 35 % der Personalkosten angesetzt werden.

Die Forschungszulage wirkt immer am sichersten. Warum dann überhaupt ZIM oder KMU-innovativ?

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens fördert die Forschungszulage vor allem Personalkosten. Wer hohe Sach- oder Materialkosten hat, fährt mit ZIM oder KMU-innovativ oft besser. Beim ZIM sind übrige projektbezogene Kosten bis zu 100 % der Personalkosten förderfähig. Zweitens: Der Hochschulpartner-Effekt. Wenn Sie ohnehin mit einer Forschungseinrichtung zusammenarbeiten wollen, wird diese bei ZIM/KMU-innovativ über einen eigenen Antrag separat gefördert (bis 100 %). Bei der Forschungszulage müssten Sie deren Kosten selbst tragen.

Mein ZIM-Antrag wurde abgelehnt. Was jetzt?

Prüfen Sie mit uns, ob eine überarbeitete Neueinreichung sinnvoll ist oder ob die Forschungszulage der bessere Weg ist. Der Vorteil der Forschungszulage: Sie ist ein Rechtsanspruch. Erfüllt Ihr Vorhaben die FuE-Kriterien, bekommen Sie die Zulage. Und sie kann rückwirkend beantragt werden, auch für bereits gestartete Projekte.

Was muss bei KMU-innovativ-Verbundprojekten beachtet werden?

Bei Verbundprojekten ist auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Unternehmen und institutionellen Partnern zu achten. Die Summe der Zuwendungen an die beteiligten Unternehmen soll grundsätzlich mehr als 60 % der Gesamtzuwendungen (inklusive Projektpauschale) betragen. Die Förderdauer beträgt in der Regel zwei Jahre. Hochschulen und Forschungseinrichtungen können bis zu 100 % ihrer Ausgaben gefördert werden.

Ab welcher Unternehmensgröße kann man die Programme nutzen?

Die Forschungszulage steht Unternehmen jeder Größe offen. Für Großunternehmen liegt der Fördersatz bei 25 % statt 35 %. ZIM fördert KMU, weitere mittlere Unternehmen bis 500 Mitarbeiter (mit reduzierten Sätzen) und in Kooperationsprojekten mit einem KMU auch Unternehmen bis 1.000 Mitarbeiter. KMU-innovativ fördert KMU sowie mittelständische Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern und bis zu 100 Mio. € Jahresumsatz.

Wie schnell merken wir, welches Programm für uns passt?

Nach einem 45-minütigen Erstgespräch haben wir eine klare Einschätzung. Wir schauen auf Art der FuE-Tätigkeit (experimentell vs. industriell), Kostenstruktur, mögliche Forschungspartner und Ihre zeitlichen Prioritäten.

Helmut Haimerl, Geschäftsführer Steinbeis Beratungszentrum
Ihr Ansprechpartner
Helmut Haimerl
Geschäftsführer · Steinbeis Beratungszentrum
Über 20 Jahre Erfahrung mit Forschungszulage, ZIM und KMU-innovativ. Wir ordnen Ihr Vorhaben fachlich ein, prüfen welches Programm die beste Netto-Wirkung hat und begleiten Sie von der Skizze bis zur Auszahlung.

Welches Bundesprogramm passt zu Ihrem Vorhaben?

In einem kostenfreien Erstgespräch von rund 45 Minuten ordnen wir Ihr FuE-Vorhaben ein und sagen Ihnen, mit welchem Programm netto am meisten übrig bleibt. Neutral und ohne Verkaufsdruck.

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