Forschungszulage, ZIM oder KMU-innovativ — welches Programm passt?
Welches der drei Programme passt, hängt vor allem davon ab, welche Art von Forschung Sie betreiben und ob ein Hochschulpartner im Spiel ist. Auch die Planungssicherheit spielt eine Rolle: Die Forschungszulage haben Sie sicher, bei ZIM und KMU-innovativ entscheidet ein Antragsverfahren. Wir schauen uns Ihr Vorhaben an und sagen Ihnen, was sich rechnet.
In welcher Konstellation passt welches Programm?
Alle drei Programme fördern FuE in kleinen und mittleren Unternehmen. Sie unterscheiden sich aber deutlich darin, was gefördert wird, wie das Verfahren abläuft und welche Partner Sie brauchen.
Für alle, die FuE-Kosten haben und verlässlich planen wollen. Kein Wettbewerb, keine Antragsfristen, kein Partner nötig. Branchenoffen und sogar rückwirkend beantragbar, mit Rechtsanspruch auf die Förderung.
- 35 % steuerfrei (KMU) = 35 % netto
- Alle förderfähigen Kosten + 20 % Gemeinkostenpauschale
- Personalkosten, Auftragsforschung (70 %), Abschreibungen
- Kein Hochschulpartner nötig
- Rechtsanspruch statt Wettbewerb
- Ganzjährig, rückwirkend bis 4 Jahre
Für marktnahe Entwicklungsprojekte, am besten in Kooperation mit einer Forschungseinrichtung. Die stellt einen eigenen Antrag und wird in der Regel zu 100 % gefördert.
- Zuschuss 25–60 % (je nach Größe/Projektform)
- Personalkosten + übrige Kosten (bis 100 % der Personalkosten)
- Forschungspartner bis 100 % gefördert
- Themenoffen, marktnahe Entwicklung
- Bewilligungsverfahren auf Antrag (kein Rechtsanspruch)
- KMU, Unternehmen bis 500 MA, in Kooperation bis 1.000 MA
Für grundlagennahe, industrielle Forschung in einem der BMFTR-Technologiefelder. Ein wissenschaftlicher Partner stellt dabei seinen eigenen Antrag und wird bis zu 100 % gefördert.
- Zuschuss bis 50 % + KMU-Bonus möglich
- Fokus auf industrielle Forschung
- Forschungspartner bis 100 % gefördert
- Verbund: Unternehmensanteil > 60 % der Gesamtzuwendung
- Förderdauer i.d.R. 2 Jahre
- KMU und Mittelstand bis 1.000 MA / 100 Mio. € Umsatz
Worauf es bei der Programmwahl ankommt
Das ZIM ist auf experimentelle Entwicklung ausgelegt, also auf marktnahe Projekte, in denen ein Produkt oder Verfahren konkret weiterentwickelt wird. Denken Sie an Prototypen, Pilotanlagen oder anwendungsnahe Tests.
KMU-innovativ zielt dagegen auf industrielle Forschung, also auf grundlagennahe Arbeiten, die erst die Wissensbasis für spätere Anwendungen legen. Machbarkeitsstudien gehören hierher, ebenso die Entwicklung neuer Materialien.
Die Forschungszulage macht diese Unterscheidung gar nicht. Sie fördert beides, solange Ihr Vorhaben die FuE-Kriterien erfüllt (Neuheit, technische Unsicherheit, systematisches Vorgehen und einige weitere). Gerechnet wird so: Alle förderfähigen Kosten ergeben eine Zwischensumme, dazu zählen Personalkosten, Auftragsforschung zu 70 % und Abschreibungen. Auf diese Summe kommen noch 20 % Gemeinkostenpauschale.
Forschungszulage vs. ZIM vs. KMU-innovativ
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick, als Orientierung für Ihre Programmwahl:
| Kriterium | Forschungszulage | ZIM | KMU-innovativ |
|---|---|---|---|
| Förderart | Steuergutschrift (steuerfrei) | Direktzuschuss (steuerpflichtig) | Direktzuschuss (steuerpflichtig) |
| Fördergegenstand | Alle FuE-Aktivitäten | Experimentelle Entwicklung | Industrielle Forschung |
| Förderquote | 35 % netto (KMU, steuerfrei) | 25–60 % brutto (je nach Größe/Projektform) | bis 50 % brutto + KMU-Bonus |
| Max. Förderhöhe | bis 4,2 Mio. € p.a. | Max. Zuwendung 140.000–336.000 € (förderfähige Kosten × Fördersatz) | projektabhängig, Förderdauer i.d.R. 2 Jahre |
| Förderfähige Kosten | Personalkosten, Auftragsforschung (70 %), AfA — jeweils + 20 % Gemeinkostenpauschale auf alle förderfähigen Kosten | Personalkosten + übrige Kosten (bis 100 % der Personalkosten) + Aufträge an Dritte (max. 35 % der Personalkosten) | Personal, Sach-, Reise-, Auftragskosten |
| Hochschulpartner | Nicht erforderlich (Aufträge zu 70 % anrechenbar) | Empfohlen — eigener Antrag, bis 100 % gefördert | Empfohlen — eigener Antrag, bis 100 % gefördert |
| Themengebundenheit | Komplett offen | Themenoffen | BMFTR-Technologiefelder |
| Verfahren | Rechtsanspruch | Bewilligungsverfahren auf Antrag (kein Rechtsanspruch) | Zweistufig (Skizze → Vollantrag), Stichtage |
| Verfahrensdauer | 3–6 Monate | 4–6 Monate | 6–12 Monate (zweistufig) |
| Rückwirkend möglich? | Ja, bis 4 Jahre | Nein | Nein |
| Unternehmensgröße | Alle (25 % für Großunternehmen) | KMU + bis 500 MA · in Kooperation bis 1.000 MA | KMU + Mittelstand bis 1.000 MA / 100 Mio. € Umsatz |
Sechs typische Konstellationen — und welches Programm passt
Kann man die Programme kombinieren?
Grundsätzlich ja. In der Praxis ist es aber selten sinnvoll. Meist versucht man, alle förderfähigen Kosten in einem Programm unterzubringen, denn die saubere Abgrenzung kostet Aufwand und erhöht das Risiko bei einer Prüfung.
Es gibt Ausnahmen. Etwa wenn die Forschungszulage Ihre laufenden Personalkosten abdeckt und ein ZIM- oder KMU-innovativ-Projekt sauber davon abgegrenzt nebenher läuft. Ob sich das bei Ihnen lohnt, schauen wir uns gemeinsam an.
Was Geschäftsführer uns oft fragen
Was genau ist der Unterschied zwischen experimenteller Entwicklung und industrieller Forschung?
Experimentelle Entwicklung (ZIM) baut auf bestehendem Wissen auf, um daraus marktnahe Produkte und Verfahren zu entwickeln. Typische Ergebnisse sind Prototypen, Pilotanlagen oder anwendungsnahe Tests. Industrielle Forschung (KMU-innovativ) schafft neues Wissen als Grundlage für künftige Anwendungen — Machbarkeitsstudien, neue Materialien, grundlegende Verfahrensentwicklung. Die Grenze ist fließend, die Einordnung entscheidet aber über das passende Programm.
Warum empfehlen Sie bei ZIM und KMU-innovativ einen Hochschulpartner?
Weil die Forschungseinrichtung einen eigenen Förderantrag stellt und in der Regel zu 100 % gefördert wird. Ihr Unternehmen trägt die Hochschulkosten also nicht selbst. Das ist ein spürbarer Vorteil gegenüber der Forschungszulage, bei der Hochschulaufträge nur zu 70 % in die Bemessungsgrundlage einfließen und Sie die Kosten komplett selbst stemmen.
Was sind die “übrigen Kosten” bei ZIM und wie werden sie berechnet?
Neben den Personalkosten dürfen Sie beim ZIM übrige projektbezogene Kosten als Zuschlag ansetzen, bei Unternehmen bis zu 100 % der Personalkosten. Gemeint sind Materialien, Geräte, Reisen und ähnliche projektbezogene Ausgaben. Seit Juli 2024 können Antragsteller wahlweise die Kosten detailliert auflisten (Anlage 6.4a) oder eine Erklärung abgeben, dass der angegebene Wert AGVO-konform ermittelt wurde. Zusätzlich können Aufträge an Dritte bis max. 35 % der Personalkosten angesetzt werden.
Die Forschungszulage wirkt immer am sichersten. Warum dann überhaupt ZIM oder KMU-innovativ?
Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens fördert die Forschungszulage vor allem Personalkosten. Wer hohe Sach- oder Materialkosten hat, fährt mit ZIM oder KMU-innovativ oft besser. Beim ZIM sind übrige projektbezogene Kosten bis zu 100 % der Personalkosten förderfähig. Zweitens: Der Hochschulpartner-Effekt. Wenn Sie ohnehin mit einer Forschungseinrichtung zusammenarbeiten wollen, wird diese bei ZIM/KMU-innovativ über einen eigenen Antrag separat gefördert (bis 100 %). Bei der Forschungszulage müssten Sie deren Kosten selbst tragen.
Mein ZIM-Antrag wurde abgelehnt. Was jetzt?
Prüfen Sie mit uns, ob eine überarbeitete Neueinreichung sinnvoll ist oder ob die Forschungszulage der bessere Weg ist. Der Vorteil der Forschungszulage: Sie ist ein Rechtsanspruch. Erfüllt Ihr Vorhaben die FuE-Kriterien, bekommen Sie die Zulage. Und sie kann rückwirkend beantragt werden, auch für bereits gestartete Projekte.
Was muss bei KMU-innovativ-Verbundprojekten beachtet werden?
Bei Verbundprojekten ist auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Unternehmen und institutionellen Partnern zu achten. Die Summe der Zuwendungen an die beteiligten Unternehmen soll grundsätzlich mehr als 60 % der Gesamtzuwendungen (inklusive Projektpauschale) betragen. Die Förderdauer beträgt in der Regel zwei Jahre. Hochschulen und Forschungseinrichtungen können bis zu 100 % ihrer Ausgaben gefördert werden.
Ab welcher Unternehmensgröße kann man die Programme nutzen?
Die Forschungszulage steht Unternehmen jeder Größe offen. Für Großunternehmen liegt der Fördersatz bei 25 % statt 35 %. ZIM fördert KMU, weitere mittlere Unternehmen bis 500 Mitarbeiter (mit reduzierten Sätzen) und in Kooperationsprojekten mit einem KMU auch Unternehmen bis 1.000 Mitarbeiter. KMU-innovativ fördert KMU sowie mittelständische Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern und bis zu 100 Mio. € Jahresumsatz.
Wie schnell merken wir, welches Programm für uns passt?
Nach einem 45-minütigen Erstgespräch haben wir eine klare Einschätzung. Wir schauen auf Art der FuE-Tätigkeit (experimentell vs. industriell), Kostenstruktur, mögliche Forschungspartner und Ihre zeitlichen Prioritäten.
Welches Bundesprogramm passt zu Ihrem Vorhaben?
In einem kostenfreien Erstgespräch von rund 45 Minuten ordnen wir Ihr FuE-Vorhaben ein und sagen Ihnen, mit welchem Programm netto am meisten übrig bleibt. Neutral und ohne Verkaufsdruck.
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