Steinbeis Blog Forschungszulage für Großunternehmen
Großunternehmen & Konzerne

Großunternehmen & Forschungszulage 2026:
So schöpfen Konzerne die Förderung vollständig aus

von Helmut Haimerl · Aktualisiert Mai 2026 · ca. 7 Min. Lesezeit

Nur 14 % der Forschungszulage-Anträge kommen von Großunternehmen — obwohl sie oft das größte ungenutzte Potenzial haben. Mit einer Bemessungsgrundlage von bis zu 12 Mio. € p.a. und dezentralen Entwicklungsstrukturen brauchen Konzerne ein anderes Vorgehen als KMU.

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12 Mio.
Bemessungsgrundlage
max. p.a. ab 2026
25 %
Fördersatz
= max. 3 Mio. € p.a.
70 %
BSFZ-Bewilligungsquote
kein Wettbewerb um Budgets

Warum Großunternehmen ihre Förderansprüche nicht ausschöpfen

Großunternehmen stellen nur 14 % der Forschungszulage-Anträge — obwohl sie einen erheblichen Anteil der FuE-Aufwendungen in Deutschland auf sich vereinen. Der Grund liegt nicht am Förderprogramm selbst, sondern an strukturellen Problemen in der Antragstellung.

Die sechs häufigsten Ursachen für ungenutztes Förderpotenzial
  • Entwicklungen finden dezentral in Konzernstrukturen oder Geschäftseinheiten statt — Verantwortlichkeiten sind nicht klar geregelt
  • Fördermöglichkeiten werden nicht systematisch identifiziert — die Kompetenz zur Förderfähigkeitsprüfung fehlt intern
  • Mitarbeitende empfinden Förderprojekte als lästige Zusatzbelastung zum Tagesgeschäft
  • Fehlendes Know-how bei der BSFZ-konformen Beschreibung von Innovationsvorhaben
  • Beantragung von Fördermitteln ist nicht im Innovationsprozess verankert
  • Das Berichtswesen ist nicht auf systematische Fördermittelnutzung vorbereitet

Das Ergebnis: Viele Großunternehmen weisen intern 50–200 Mio. € Entwicklungskosten aus — und beantragen Forschungszulage nur für einen Bruchteil davon.

FuE vs. Innovation: Die entscheidende Abgrenzung

Der häufigste Irrtum: Jede Innovation ist automatisch förderfähig. Das ist falsch. Die BSFZ prüft ausschließlich nach Frascati-Kriterien — Neuartigkeit, technisches Risiko, Planmäßigkeit und Übertragbarkeit.

Tätigkeitstyp Förderfähig? Begründung
Grundlagenforschung, neue Algorithmen, neue Materialien ✓ Ja Neuartig, technisch ungewiss, über Stand der Technik hinaus
Neue Produkte/Verfahren mit echtem technischen Risiko ✓ Ja Wenn Scheitern realistisch und Lösung nicht routinemäßig erreichbar
Routinemäßige Weiterentwicklung bestehender Produkte ✗ Nein Kein technisches Risiko, kein Fortschritt über Stand der Technik
Marktanpassungen, Kundenwunsch-Anpassungen ✗ Nein Kein wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn
Bugfixing, reguläre Softwarewartung ✗ Nein Routinetätigkeit ohne Neuartigkeits-Komponente
Bewilligungsquote bei der BSFZ: ca. 70 % Anders als bei wettbewerblichen Förderprogrammen mit Bewilligungsquoten von 20–30 % hat die Forschungszulage keinen Budgetdeckel. Wer die Frascati-Kriterien erfüllt, hat einen gesetzlichen Anspruch — unabhängig von Haushaltslage oder anderen Antragstellern.
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System statt Einzelfall: Der Schlüssel für Großunternehmen

Der grundlegende Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Großunternehmen bei der Forschungszulage: System statt anlassbezogener Antragstellung.

Eine anlassbezogene Nutzung ("wir müssen schnell noch einen Antrag stellen") schafft nicht die notwendigen Voraussetzungen um mögliche Förderansprüche kontinuierlich zu realisieren. Notwendig ist ein systematisches Fördermittelmanagement das fest im Innovationsprozess verankert ist.

Das Steinbeis 6-Schritte-Modell für Konzerne

Beim Aufbau eines systematischen Fördermittelmanagements im Konzern empfehlen wir folgende sechs Dimensionen:

Schritt 1
Verantwortlichkeiten
  • Wer ist auf Konzernebene inhaltlich und finanziell verantwortlich?
  • Wer übernimmt das operative Projektmanagement?
Schritt 2
Identifikation & Selektion
  • Gibt es einen einheitlichen Rahmen für die Identifikation förderfähiger Projekte?
  • Nach welchen Kriterien wird die Förderfähigkeit beurteilt?
Schritt 3
Antragstellung
  • Haben Mitarbeitende Erfahrung mit der BSFZ-konformen Projektbeschreibung?
  • Sind standardisierte Instrumente und Vorlagen vorhanden?
Schritt 4
Prozessverankerung
  • Ist Förderung fester Bestandteil des Innovationsprozesses?
  • Sind Abläufe zwischen Konzern, Fachabteilungen und externem Berater klar?
Schritt 5
Befähigung der Teams
  • Welche Kompetenzen brauchen Projektleiter und Fachabteilungen?
  • Gibt es einen qualifizierten internen oder externen Ansprechpartner?
Schritt 6
Fördermittelcontrolling
  • Ist die Erfüllung aller Dokumentationspflichten sichergestellt?
  • Ist das Berichtswesen auf Betriebsprüfungsanforderungen vorbereitet?

Interne Kompetenz aufbauen vs. auslagern

Steinbeis erhält häufig den Auftrag, die Antragstellung einzelner Projekte zu begleiten — und stellt in den Vorgesprächen fest, dass im selben Konzern weitere förderfähige Projekte unentdeckt liegen.

Grundsätzlich gibt es zwei Modelle:

  • Interne Kompetenz aufbauen: Steinbeis schult Ihre Teams in BSFZ-konformer Projektbeschreibung und Dokumentation — der innovative Kern verbleibt intern
  • Externes Fördermittelmanagement: Steinbeis übernimmt Identifikation, Antragstellung und Controlling vollständig — Sie liefern nur die technischen Inhalte
  • Hybridmodell: Kombination aus interner Kompetenz und externer Expertise für besonders komplexe oder technisch spezialisierte Projekte
Wichtig: Konzernverbund-Regelungen beachten Bei verbundenen Unternehmen gelten die KMU-Schwellenwerte auf Konzernebene — nicht auf Ebene der Einzelgesellschaft. Eine Tochtergesellschaft mit 50 Mitarbeitern gilt als Großunternehmen wenn der Mutterkonzern über die KMU-Grenzen hinausgeht. Das beeinflusst den Fördersatz (25 % statt 35 %) und sollte bei der Strukturierung berücksichtigt werden.
Helmut Haimerl, Geschäftsführer Steinbeis Technologie- & Innovationsberatung GmbH
Helmut Haimerl
Geschäftsführer, Steinbeis Technologie- & Innovationsberatung GmbH

Helmut Haimerl begleitet Großunternehmen und Konzerne beim systematischen Aufbau von Fördermittelmanagement-Strukturen. Mit mehreren hundert erfolgreich begleiteten BSFZ-Bescheinigungen — branchenübergreifend von Maschinenbau bis KI — kennt er die spezifischen Herausforderungen dezentraler Konzernstrukturen aus der Praxis.

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